Common use of Einkommen Clause in Contracts

Einkommen. es vielen nicht möglich, mehr als den Mindestlohn zu verdienen. Darüber hinaus reicht letzterer nicht aus, um eine Familie im Sinne eines existenzsichernden ▇▇▇▇▇▇ ohne weitere Einkommensquelle zu ernähren. Unsere InterviewpartnerInnen gaben an, dass der Mindestlohn Was ist ein Existenzsichernder Lohn? Das ist ein Arbeitseinkommen, das es eine/r Ar- beiterIn ermöglicht, sich selbst und ihre/seine Familie zu ernähren, die Miete zu zahlen, für Ge- sundheits-, Kleidungs-, Mobilitäts- und Bildungs- kosten aufzukommen sowie für unerwartete Er- eignisse ein wenig Geld beiseite zu legen. Ein existenzsichernder ▇▇▇▇ soll der Grundlohn sein, welcher in einer regulären Arbeitswoche gezahlt wird, unabhängig von Überstunden oder Boni. Die Herstellung von Leder und Schuhen bedarf, ebenso wie die von Bekleidung, eines hohen Einsatzes manu- eller Arbeit. Sneaker oder T-Shirts lassen sich bis dato nicht rein maschinell oder gar automatisch herstellen. Daher sind die Arbeitskosten und Löhne eine der wich- tigsten Stellschrauben für die Industrie, um die Preise niedrig zu halten. Da an vielen Stellen in der Produktion von Schuhen Qualifikationen und spezielle Kenntnisse oder langjährige Erfahrungen vonnöten sind, variieren die Einkommen stärker als in der Bekleidungsindustrie. Vor allem jene Beschäftigte, die Maschinen bedienen, schwere körperliche Arbeit verrichten oder einen inten- siven Umgang mit Chemikalien haben, erhalten einen höheren Lohn. Diese Tätigkeiten werden als „Männerar- beit“ und somit „höher qualifiziert“ angesehen, wohinge- gen Frauen öfter „geringqualifizierte“ Arbeiten ausführen und dementsprechend bis zu einem Drittel schlechter bezahlt werden. Drei Umstände machen es quasi unmöglich, verläss- liche Zahlen zum durchschnittlichen Einkommen der türkischen Schuh- und LederarbeiterInnen zu erhalten: Einerseits ist das System der „doppelten Buchführung und Falschdokumentation“ in der Türkei weit verbreitet. Andererseits existieren keine Angaben über die Ein- kommen des großen Anteils der unregistrierten Arbeite- rInnen. Auf Basis unserer Schätzungen beträgt dieser immerhin bis zu 100.000 Menschen und umfasst damit fast das Doppelte der ca. 65.000 offiziell Beschäftigten. Es ist wahrscheinlich, dass viele von ihnen weniger als den offiziellen Mindestlohn verdienen, vor allem jene ohne oder mit geringer Qualifizierung. Das durchschnittliche Nettoeinkommen der durch Change Your Shoes Befragten liegt mit 1.550 TL (489 EUR) knapp über dem Mindestlohn, aber noch immer unterhalb der Armutsgrenze, deren Höhe 2.060 TL (624 EUR) beträgt. Obwohl Teile der Beschäftigten aufgrund ihrer Qualifikationen und ihres Geschlechtes mehr als der Durchschnitt verdienen, stellt der Mindestlohn für die Mehrheit der ArbeiterInnen in Gerbereien und Schuhfab- riken die unzufrieden stellende und bittere Einkommens- realität dar. Innerhalb der gesetzlichen Arbeitszeiten ist Fallstudie einer Schuhfabrik in der Provinz Istanbul Neben der gesetzlich verankerten wöchentlichen Arbeitszeit von 45 Stunden machen die ArbeiterInnen vor allem im ▇▇▇▇▇▇ zwischen 1 und 3 Überstunden täglich, die normalerweise kurzfristig angekündigt werden, und arbeiten bis zu 13 Stunden am Tag. Zwar berichten die Beschäftigten nicht von erzwungenen Überstun- den. Aber die verzahnten Produktionsabläufe erfordern, dass alle weiterarbeiten, wenn eine Abteilung nicht rechtzeitig fertig wird. Überstunden werden zudem nicht mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Zuschlag von 50% ausgezahlt. Bis vor zwei Jahren arbeiteten noch Jugendliche unter 15 Jahren, dem türkischen Mindest- arbeitsalter, in der Fabrik. Auch sie arbeiteten länger als die gesetzliche Wochenarbeitszeit. ArbeiterInnen berichteten uns außerdem, dass der Lohn von zwei Tagen abgezogen wird, wenn sie einen Tag fehlen. Offiziell bekommen alle Beschäftigten den Mindestlohn. Je nach Tätigkeit und Betriebszugehörigkeit variiert der Verdienst aber deutlich. Frauen verdienen durchschnittlich 1.000 TL (316 EUR) bis 1.500 TL (473 EUR) netto pro Monat und damit weniger als den Mindestlohn, während Männer 1.500 TL (473 EUR) bis 1.800 TL (568 EUR) verdienen. Alle befragten Beschäftigten beklagten, dass dieses Einkommen bei weitem nicht für ihr Leben ausreiche. Ein existenzsichernder ▇▇▇▇ würde nach ihren Angaben bei ca. 3.000 TL (947 EUR) netto liegen. Denn viele müssen Häuser und Wohnungen abbezahlen, brauchen ein Auto für den Arbeitsweg oder unterstützen ihre Familien. Um die monatlichen Ausgaben so gering wie möglich zu halten, leisten sie sich nur das Nötigste und teilen sich ihre Wohnungen, Einkäufe und Rechnungen mit Verwandten. Urlaub oder einen Besuch bei der Familie in einer anderen Region können sie sich nicht leisten. In der Fabrik wird die „doppelte Buchführung - Falschdokumentation“ angewendet. Die meisten Beschäftigten, die mit gesundheitsgefährdenden Chemikalien arbeiten, sind nur schlecht oder gar nicht über deren Auswirkungen geschult oder wissen nicht, mit welchen Stoffen sie arbeiten. Am häufigs- ten beschweren sie sich über die Belastung durch die verwendeten Farben, Kleber und Lösungsmittel: Sie fühlten sich wie betrunken und hätten Gleichgewichtsstörungen. Manche Chemikalien verursachen zudem Kontaktallergien. Eine Gesundheits- und Arbeitsschutzprüfung hat es dem Wissen der Beschäftigten nach bisher noch nie gegeben – weder von offizieller Seite noch durch die AuftraggeberInnen. Durch die Verwen- dung von Schleifpapier für die Bearbeitung der Schuhe ist die Luft mit dem Staub des Kleber- und Farbabriebs durchsetzt. Die hohe Raumtemperatur, die durch die Maschinen erzeugt wird, und die fehlende Belüftung verstärken die Belastung durch den Staub zusätzlich. Auf die Frage nach Arbeitsschutzkleidung sagten die ArbeiterInnen, dass sie in der Hitze mit Atemmasken und Handschuhen nicht in der Lage seien, ihre Arbeit gründlich zu machen, und diese daher weglassen. Nach Beschwerden aus der Belegschaft organisierte die Fabrikleitung ein Arbeitsschutztraining. Doch anstatt eine strukturelle Lösung für die Belastungen zu suchen, hängte sie Schilder in der Fabrik mit Aufschriften auf wie: „Helm und Schutzbrille benutzen“, „Beuge deinen Rücken nicht beim Heben von Lasten“, „Stiefel tragen“. Ar- beitsschutzkleidung stellte sie nicht zur Verfügung. Viele Befragte klagten über Husten, der nie verschwinden würde. Aber auch die Arbeit an den Maschinen stellt ein großes Sicherheitsrisiko dar. Berichtet wurde von zerschmetterten Fingern und von einem Fall, bei dem das Kopfhaar und die Kopfhaut eines Arbeiters ausge- rissen wurden. Im Unternehmen gibt es weder eine Gewerkschaft noch Kollektivverträge. Auseinandersetzungen werden direkt zwischen ArbeitnehmerInnen und Arbeitgeber ausgetragen. In Verhandlungen und bei Konflikten sind sie so der Willkür des Arbeitgebers ausgesetzt. Dementsprechend unterschiedlich und unberechenbar fallen die Lösungen aus. Die Beschäftigten haben allerdings Angst, eine Interessenvertretung zu gründen, und die meisten kennen ihre Rechte nicht. Trotz aller Unsicherheiten vertrauen sie weiterhin auf die individuelle und bilaterale Lösung von Konflikten. 2011 schrieben über ein Dutzend von ihnen einen Beschwerdebrief an die lokale Stelle des Arbeitsministeriums. Zu diesem Zeitpunkt arbeiteten über 50 Frauen und Männer informell sowie 20 Minderjährige in der Fabrik. Bei der darauffolgenden Untersuchung wurden die Inspekteure zuerst am Eintritt gehindert, um die unregistrierten ArbeiterInnen durch die Hintertür hinauszuschleusen.

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Sources: Arbeitsbedingungen in Der Türkischen Schuh Und Lederindustrie, Arbeitsbedingungen in Der Türkischen Schuh Und Lederindustrie, Arbeitsbedingungen in Der Türkischen Schuh Und Lederindustrie